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      Chronik der Schule Horst.  

Sommer 1959  - große Trockenheit.                                                                                                                         
Für Urlauber am Wasser das ideale Wetter." Seit 80 Jahren der trockenste Sommer" hörte man oft die Leute stöhnen. Und das besonders die Landwirte und Großstädter. Im Mittelgebirge lag die Wasserversorgung der Bevölkerung vollkommen brach. Es gab Wasser aus Tanks der Löschzüge der Feuerwehr. Pro Person pro Tag 3-4 Liter. Die Talsperren waren ausgetrocknet. Die Ruinen versunkener Dörfer wurden auf dem Grund der Rurtalsperre wieder sichtbar. Die Bierbrauereien erzielten Rekordabsatz. Viele Menschen starben an Hitzschlag. Und dennoch war die Getreideernte bei uns großartig, wenngleich Kartoffeln und Rüben etwas spärlicher geraten waren. Horst war noch einmal davongekommen. Bei uns wurde Trinkwasser nicht knapp.

März 1960- Schulentlassung.                                                                                                                                 
 
Nach achtjähriger Volksschulzeit verließen unsere Schule: Heinz Theo Schröder, Agnes Küppers, Ruth Maubach und Elisabeth Wolters. Die Entlassfeier, schlicht und kurz, fand statt im Beisein des Herrn Pfarrer Kopshoff, der Handarbeitslehrerin Frau Käthe Müller und der Eltern der Entlaßschüler.

 

Juni 1960 5 Tage Zeltlager in Hinsbeck.                                                                                                              
Unsere diesjährige mehrtägige Wanderung führte uns in die Hinsbecker Schweiz. Teilgenommen hatten die Schulkinder vom 4. bis 8. Schuljahr, ferner die ehemaligen Schüler Heinz Theo Schröder und Annemarie Randerath. Etwa 500 Meter weit von der Jugendherberge "Vierlinden" entfernt schlugen wir am Waldrand, umgeben von kleinen Büschen und Baumgruppen, unsere Zelte auf, die wir vom Kreisjugendamt ausleihen konnten. Ein Lagerkreuz wurde aufgerichtet. Um dieses Kreuz versammelten wir uns morgens und abends und verrichteten unsere Andachten. Die Waschräume und ein Tagesraum der Herberge standen uns zur Verfügung, denn gegessen wurde in der Herberge. Von unserem Lager aus erwanderten wir das ganze Naturschutzgebiet, badeten im Poelvennsee, bestaunten die Segelboote auf dem De-Witt-See, lernten die herrlichen Wälder unserer niederrheinischen Heimat kennen. Auf unseren Schweigemärschen durch die Wälder und an den Ufern der Seen lernten wir die verschiedensten Wasservögel kennen. Vorbei ging es an den zugewachsenen Seen, heute noch Moore, einstmals vielleicht mal Braun- oder Steinkohle***. In der Hinsbecker Kirche wohnten wir einem vorbildlich gestalteten Gottesdienst bei. Aber unvergeßlich waren für sehr viele der Kinder die Nachtwachen vor den Zelten. Die Stimmungen und Stimmen der Waldnacht reden eine eigne, eindringliche Sprache. Es wurden Wanderlieder gesungen und das wurde sehr gerne und häufig getan. Am Sonntagnachmittag erhielten wir unerwarteten Besuch aus Horst. Einige Eltern wollten einmal sehen, wo und wie wir hausten. Obwohl es oft regnete, ließen wir uns unsere gute Laune nicht verderben, denn ab und an kam die Sonne durch und erfreute uns mit ihrem warmen Licht, so daß wir uns in der Nette tummeln konnten.

***  Die Seen entstanden durch Torfabbau im 17. Jahrhundert!

  

Über unsere Hinsbecker Fahrt wurden 50 Farbdias geknipst und mit dem schuleigenen Tonband vertont und kommentiert. So entstand unsere erste eigene Tonbildreportage. Mit ihrer Hilfe können wir uns immer wieder an die überaus eindrucksvollen und erlebnisreichen Tage in Hinsbeck erinnern. Wir wollen aber auch die Dorfbevölkerung nacherleben lassen, was uns so ungemein gefreut hat. Der Geist unserer Schulwanderung und unserer Gemeinschaft möge den Gemeinschaftsgeist unseres Dorfes positiv beeinflussen. 

Dezember 1960. Einweihung unserer Lehrschwimmanstalt.                                                                                   
Eineinhalb Jahre hat es gedauert, viele Anträge wurden eingereicht, besprochen und genehmigt. Das Schwimmbecken wurde bereits im Mai 1960 vorübergehend benutzt. Es hatten sich dabei Mängel gezeigt, die zunächst noch abgestellt werden mußten. Die Umlaufanlage war in Schwarzeisenrohren verlegt und demzufolge war das Beckenwasser immer braun, weil die Rohre ständig Rost ansetzten. Die Duschanlage hatte keine Zwischenwände, der Umkleideraum noch keine Kleiderhaken und keine Bank. Als man diese Mängel behoben hatte, lud die Gemeindevertretung am 4. Dezember 1960 zur Einweihung und feierlichen Eröffnung der Horster Lehrschwimmanstalt ein. Gäste: der Sportdezernent der Bezirksregierung Herr v. Wersch, Kreissyndikus Esser, Herr Schulrat Mies, Ferner Amtsdirektor Claßen, einige Herren der Amtsverwaltung und selbstverständlich die Gemeindevertreter und sehr viele Dorfbewohner waren erschienen. Der Pfarrer Kopshoff segnete die neuen Räume unter der Schule ein. Die schlichte kurze Feier  fand im ausgeräumten Klassenzimmer statt. Ein Schülerchor sang, ein Gedicht wurde gesprochen. Die Horster Schule besitzt als einzigste einklassige Schule unseres Landes eine so kostspielige Anlage. Die Baukosten wurden zum größten Teil aus Landes- und Totogeldern gedeckt. Für unsere Gemeinde ist das Schwimmbecken ein echtes, sehr wertvolles Geschenk. Zu besonderem Dank ist die Gemeinde in diesem Zusammenhang verpflichtet dem Herrn Amtsdirektor Claßen und dem Herrn Sportdezernenten der Regierung van Wersch. Sie beide brachten meiner Idee von der Einrichtung einer Lehrschwimmanlage großes Verständnis entgegen und setzten sich tatkräftig für die großzügige Verwirklichung ein. Horst besitzt nunmehr auch eine Sportanlage zur Gesunderhaltung und körperlichen Ertüchtigung seiner Jugend.

  

                                                                             

                       

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