Chronik der Schule Horst. 

Herbst 1962- Ortspfarrer tritt in den Ruhestand.                                                                                                      
In den letzten Oktobertagen verließ der Herr Pfarrer Kopshoff unsere Pfarrgemeinde und trat nach langer Bemühung in den verdienten Ruhestand. Herr Pfarrer Kopshoff war in der Zeit vom 16. Dezember 1951 bis 26. Oktober 1962 Pfarrer in der Kirchengemeinde Horst. Er war seit Jahren schwer herzkrank und litt dazu an einem äußerst schmerzhaften Bandscheibenleiden, das ihn stets etwas gebeugt gehen ließ. Das erklärte seine Zurückhaltung  den dörflichen Veranstaltungen und dem  Vereinsleben gegenüber. Dem Anliegen der Schule gegenüber war Herr Pfarrer Kopshoff stets aufgeschlossen. Der Lehrerschaft schenkte er die notwendige aufbauende Kritik und wohlwollende Unterstützung, vor allem im Kampf der Elternschaft und des Lehrers gegen die einsichtslose, das Gemeinwohl mißachtende Haltung der derzeitigen Gemeindevertreter. Mit Herrn Pfarrer Kopshoff verliert die kleine Horster Schule einen mannhaften Freund und konsequenten Kollegen.            

Herbst 1962- Erweiterung und Umbau der Schule.                                                                                                 
Das vordere, seit Jahren leerstehende Lehrerhaus neben der Schule an der Straße soll mit dem Schulgebäude verbunden werden. Die drei Zimmer der unteren Etage sollen als Werk-, Hauswirtschafts- und Gruppenraum Verwendung finden. Die obere Etage ergibt eine abgeschlossene Wohnung für die 2. Lehrkraft, mit separatem Eingang und Treppenhaus. Der Ausgang zum hinteren kleinen Hof wurde vermauert. In den Kellerräumen des vorderen Hauses wird ein Geräteraum eingerichtet, um die akute Raumnot unseres Schulgebäudes zu beseitigen. Die einzelnen Räume in der unteren Etage sollen durch Harmonikatüren voneinander trennbar sein. Der bisher offene Eingang (Verbindungsstück zwischen Lehrerhaus und Schulgebäude) erhält eine Glas-Pendeltür. Alle Arbeiten werden gemäß den Wünschen des Schulleiters ausgeführt. Herr Amtsbaumeister Nägler zeigt großes Entgegenkommen. Die Anregungen zu diesem Erweiterungs- und Umbau gab Schulleiter Pack. Durch diese baulichen Maßnahmen sollten die Räume des vorderen Hauses eine sinnvolle. gemeinnützige Verwendung erfahren. Die beiden einzigen Klassenräume erwiesen sich als zu eng für einen zweiklassigen Schulbetrieb. Mehrzweckräume standen bislang der Schule nicht zur Verfügung. Vor allem sollten die Neugewonnenen schulischen Räume ihren Zweck als "Heim der halboffenen Tür" finden. An festgelegten Nachmittagsstunden sollen Jugendliche unseres Dorfes hier ihre Freizeit mit Gesellschaftsspielen, Werkarbeiten, Kursen, Tischtenniswettkämpfen, Unterhaltungen, Kasperlespielen und dergleichen verleben können. Ein eingeteilter Ordnungsdienst hält die Räume in diesem "Haus der Jugend" sauber. Es versteht sich von selbst, daß diese Räume wohnlich gestaltet werden müssen. Es ist aber auch vorgesehen, Elternabende vorzubereiten und sie bei Kaffee und selbstgebackenem Kuchen durchzuführen. Die Grundform schulischer Bildungsarbeit, sowie Spiel und Feier, sollten stärker als bisher gepflegt werden. Die Schule sollte augenscheinlich das Kulturzentrum des Dorfes werden. Mit den Umbauarbeiten wurde Anfang November 1962 begonnen. Sie wurden durch starken Frosteinbruch verzögert.

Winter 1962/63 "Wir helfen unseren Tieren."                                                                                                        
Das war ein Winter, wie er seit 80 Jahren nicht mehr erlebt worden war. Mosel, Ostsee, alle deutschen Flüsse und Seen zugefroren, täglich von November bis in den März hinein ununterbrochen Frost, tagelang unter 10° minus. Heizöl wurde knapp, weil auch die Nordseehäfen vereist waren. Unvorstellbare Not litten die frei lebenden Tiere, besonders die Vögel. Da mußte geholfen werden. Darum bastelten wir ein großes Vogel-Futterhaus und stellten es im Schulgartengelände auf. Die Zahl der hungrigen Besucher im Federkleid gingen weit über die hundert hinaus. Der eingeteilte Futterdienst (Knaben der Oberstufe) mußte 3 bis 4 mal am Tage füttern. Es wurde säckeweise Futtermittel im Dorfe gesammelt, Geldspenden kamen ein, der Jagdpächter beteiligte sich, um Fasanen, wilde Tauben und den vielen, artenreichen Kleinvögeln zu helfen. Für die Rehe wurden Küchenabfälle gesammelt und ausgestreut. Um all dieses Leben und Treiben auszuwerten und zum Segen der freilebenden Tierwelt einem größeren Personenkreis zugänglich zu machen, drehten wir einen 12 Minutenfilm in schwarz/weiß, betitelt: "Wir helfen unseren Tieren!"

Februar 1963 - Horster Pfarrer stirbt.                                                                                                                  
Unser Pfarrer Kopshoff ist tot. Wer konnte das und wollte das glauben? Seine langjährige Herz- und Wirbelsäulenkrankheit hatte ihn schweigsam gemacht und körperlich gebeugt. Die Kniebeugen, das Gehen, Sitzen und Stehen fielen ihm furchtbar schwer. Er lebte darum in unserer Pfarrgemeinde zurückgezogen, fern dem Vereinsleben, darum von vielen Horstern mißverstanden. Nicht das zuletzt auch deshalb, weil ihm jedes fromme Getue zuwider war, ihm die offene, freie Rede mehr galt, als diplomatische Schachzüge. Er war ein Mann im wahrsten Sinne, kraftvoll in Ausdruck und Sprache. Sich selbst stets gering achtend, lebte er sein ganzes Leben ganz und gar als ein Diener des Herrn in der Sorge um das Seelenheil seiner Pfarrkinder. Bescheiden wie er 11 Jahre mit seiner Schwester im Horster Pfarrhaus gelebt hatte, ging er auch aus Horst fort. Keine phrasenreiche Abschiedsszene. Nach seiner letzten Messfeier ein wohlwollendes Wort an seine in der Kirche versammelten Pfarrkinder, das war sein Abgang, der nicht froh stimmt, auch den Lehrer nicht der den scheidenden Pfarrer und auch die Horster Pfarrkinder aus fünfjähriger Erfahrung kennt. Pfarrer Kopshoff hat viel von seinem Glauben an das Gute im Menschen infolge trüber Erfahrungen eingebüßt. Gott, der Vater aller Menschen, möge ihn väterlich trösten und ihm mit seiner Liebe all die Sorgen und Mühen, die seelischen und leiblichen Schmerzen vergelten.

 

Februar 1963- Neue Schulmöbel.                                                                                                                              
Was lange währt, wird endlich gut! Auch unsere Schule besitzt nunmehr neuzeitliches Schulgestühl. Der Lehrer hat endlich einen standesgemäßen Stuhl und ein ansehnliches Pult. Die Jahrgänge müssen jetzt jedoch, in zwei Gruppen getrennt, in den beiden vorhandenen Klassenräumen untergebracht werden. Die große Verbindungstür zwischen beiden Klassenräumen kann mit einem schallhemmenden Vorhang geschlossen werden. Immer noch an drei Stunden des Vormittags einklassig, muß ich zugleich in beiden Räumen unterrichten. Die Schülerzahl beträgt 46 Kinder. Die alten Schulbänke werden derart zerlegt, daß die Sitzfläche als Rasenbank verwendet werden kann.

 

 

 

 

 

 

 

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